Беги, Васька! Перевод на немецкий
Allen Katern Russlands gewidmet
Lauf Wasjka lauf!
Drehbuch zu einem Animationsfilm
Übersetzung aus dem Russischen
Vorspann auf folgendem Hintergrund: zu einem Potpourri alter Melodien (eventuell Soldatenlieder) entrollt sich eine abgegriffene Landkarte– alt, so wie die Schrift und die Rechtschreibung.
Eine Russlandkarte aus der Zeit Peters des Großen, mit Tintenflecken und von Hand gemachten Anmerkungen und Einzeichnungen.
Die Kamera zieht auf, immer deutlicher erkennt man jetzt den europäischen Teil Russlands, insbesondere das Gebiet um Smolensk. Es ist markiert.
Über diese Karte breitet sich raschelnd eine weitere Karte größeren Maßstabs: eine Schulkarte von Zentralrussland aus dem Jahr 1913. Gut zu erkennen sind lustige Kinderzeichnungen an den Rändern.
Darüber legt sich eine noch detailliertere Karte vom Oberlauf des Dnjepr, eine stark zerfledderte Stabskarte der deutschen Wehrmacht von 1941 – sie zeigt Smolensk und seine Umgebung, entsprechend sind die Eintragungen auf Deutsch. Dicht eingezeichnete Pfeile, die die Angriffsrichtung angeben, die Bezeichnungen der Einheiten, die Stellungen der Sowjetischen Armee in dieser Gegend.
Darüber breitet sich eine noch genauere Karte: eine Karte der sowjetischen Armee von 1944. Smolensk ist (etwas mehr) seitlich eingezeichnet, im Zentrum - ein Waldstück und die Namen der umliegenden Dörfer. Die Pfeile der militärischen Schläge, dieses Mal in die Gegenrichtung, gegen die Deutschen.
Eine weitere Karte fällt auf sie drauf und entfaltet sich. Ihr Maßstab ist noch größer. Sie stammt von heute und zeigt ein Jagdrevier. Von der Hand des Jägers sind die unterschiedlichen Jagdplätze für Wildschweine, Vögel und Fischfang eingezeichnet. All diese Karten haben eines gemeinsam. Immer erkennbarer, zeigen sie den großen Dnejpr-Bogen bei Smolensk.
Ende des Vorspanns: Die letzte Karte sieht man von oben, der Maßstab vergrößert sich immer rascher. Die Karte verwandelt sich in eine reale Landschaft.
Wir sehen ein Waldstück, den Fluss, am Waldrand ein kleines Gehöft. Die Kamera, als sei sie auf einen Zerstörer montiert, peilt haarscharf das Haus an.
Der Ausschnitt wird immer größer: man sieht Einzelheiten, ein Fenster mit abbröckelnder Farbe. Durch das Fenster gelangen wir in das Innere des Raumes.
Ein typisches Bauernhaus von innen. Zu Radiomusik ziehen langsam Einzelheiten vorbei: ein an den Türrahmen gelehnter Wanderstock, ein schlafende Kater, Stiefel, ausgetretene Latschen, ein Korb mit Pilzen, eine Pendeluhr, ein Jagdgewehr, das Radio (man sieht, das es läuft, die Anzeige flackert), ein Kalender, der Oktober anzeigt, ein mit einer einfachen Tischdecke gedeckter Tisch.
Großaufnahme: auf dem Tisch eine kleine Flasche Wodka, Brot, Salzgurken, ein Stück Speck, ein Gläschen Wodka, mit einer Scheibe Schwarzbrot darauf.
Totale:
Am Tisch sitzt ein alter Mann auf der Bank. Er hält ein Schnapsglas und schaut zum Fenster hinaus. Es ist der Jäger in diesem Forst. Die Kamera schwenkt zum Fenster. Dahinter –ein Feldweg, ein sonniger Herbstabend in Rot, Grün und Gelb - Ahorn und Espen.
Totale:
der Alte, hinter ihm ein Kühlschrank, Ikonen und Fotos. Er schaut die Fotos an.
Sein Blick bleibt an einem größeren Foto hängen: vor einem Unterstand im Wald umarmt ein junger, fröhlicher Soldat - Tapferkeits-Medaille auf der Brust - eine hübsche, lachende Krankenschwester. In dem Soldaten erkennt man den Alten in seiner Jugend. Etwas kleiner daneben – die Fotos von ihm und seinen Kriegskameraden.
Die Handlung geht im Frühlingswald weiter. Auf einem Pfad schleicht ein russischer Spähtrupp, einer von ihnen ist der junge Soldat von unserem Foto. Er atmet die Luft ein, schnuppert im Gehen. Winkt den anderen mit der Hand nachzukommen, sie treten an den Rand einer Lichtung.
Auf der Waldlichtung haben Deutsche ein Lager aufgeschlagen. Ein Offizierszelt. Ein dicker Deutscher mit weißer Schürze brät Würstchen.
Am Rande der Lichtung, in der Nähe des Spähtrupps, liegt sorglos ein junger Ordonanzsoldat im Gras und liest ein Buch. Die Jacke hat er aufgeknöpft, den Gürtel abgelegt. Seine Feldtasche liegt daneben. Kamera zieht auf: aus der Tasche schauen zusammengerollte Landkarten heraus.
Die Männer vom Spähtrupp schauen sich kurz an, rücken ihre Kappen zurecht und machen sich fertig zum Sprung.
Nächste Episode: die russischen Soldaten jagen durch den Wald, bahnen sich den Weg durchs dichte Unterholz. Einer von ihnen trägt die Tasche mit den Karten, der andere schleppt den gefesselten Ordonanzsoldaten auf dem Rücken. Hinter ihnen hört man Schreie, Schüsse, Kugeln zischen an ihnen vorbei, zerbrechen die Zweige über ihren Köpfen.
Nach einer Weile bleiben sie stehen. Sie lauschen den leiser werdenden Schüssen. Ein Kamerad des Soldaten: „Ha, denen hätten wir’s gezeigt! “Der Soldat: „Und ob!“ Sein Kamerad: „Dabei hätten sie uns das Fell über die Ohren ziehen können!“ Der Soldat macht einen Schluck aus der Flasche und lächelt „Locker!“
Ende der Episode: Die Kamera verharrt auf dem Foto an der Wand.
Die Kamera zurück in die Totale: der Alte schaut auf das Foto, holt tief Luft, schaut auf das Schnapsglas und auf den Brotkanten.
Die Kamera zieht auf: das Schnapsglas steht auf einer weißen Tischdecke, daneben ein geöffneter Brief. Das Kuvert ist auf Deutsch beschrieben
Die Kamera fährt zurück: der Alte seufzt, trinkt seinen Wodka, krächzt, und stellt das Glas geräuschvoll auf die Zeitung. Die Musik spielt die ganze Zeit, mal leiser, mal lauter. Man hört ein Rascheln. Der Alte wendet den Kopf und schaut in die Ecke.
Eine Maus huscht vorbei.
Der Alte schaut durchs Fenster auf den Schuppen.
Nächste Episode:
Im Stall melkt seine Frau die Kuh. Die Kuh gibt nur wenig Milch. Die Alte schaut die Kuh zornig an. Aber mehr kann sie nicht geben. Sie zieht schuldbewußt den Kopf ein.
Die Alte geht über den Hof und betritt das Haus.
Totale:
In der Stube gießt die Alte die Milch in einen Krug, stellt ihn auf die Bank.
Der Kater springt auf, reibt sich an ihren Beinen. Sie stößt den Kater zur Seite, der kehrt zu seinem leeren Fressnapf zurück.
Die Alte räumt erbost die Flasche und das Glas vom Tisch und schaut den Alten böse an. Der zieht seinen Kopf ein und schaut ebenfalls schuldbewußt drein.
Erneutes Rascheln. Man sieht eine Maus vorbeihuschen. Die Kamera zeigt den schlafenden Kater. Er ist grau, abgemagert, alt und müde. Seine Brust hebt sich regelmäßig im Schlaf. Erneutes Rascheln. Seine Brust hebt sich und erstarrt. Kleine Pause. Langsam öffnet der Kater sein linkes Auge ein wenig, schaut um sich. Stille, nur die Wanduhr tickt.
Hinter den Stiefeln sitzt die Maus mit dem Stück Speck, das sie dem Alten gestohlen hat.
Vor dem Fenster die Umrisse der beiden Alten. Es wirkt wie ein Scherenschnitt.
Sie sind mit sich beschäftigt.
Der Kater sieht nichts, schließt das Auge wieder. Sein Körper hebt und senkt sich wieder regelmäßig im Schlaf. Die Maus läuft mit dem Speck langsam in Richtung der angelehnten Tür.
Da entdeckt sie die Alte. Empörter Aufschrei.
Der Kater erwacht, springt mit allen Vieren hoch in die Luft, stößt mit dem Kopf gegen die Bank. Der Milchkrug kippt um. Die Maus flitzt an ihm vorbei. Der Kater stürzt hinterher, bleibt mit der Hinterpfote am Gehstock des Alten hängen, fällt hin und strampelt mit den Beinen. Umsonst – direkt über seinen Schnurrbart springen die Mäuse in die Diele. Der Kater erhebt sich aus einer Milchpfütze, schaut hilflos drein.
Die Alte schaut böse. Der Kater verschwindet gesenkten Hauptes in den Hof.
Die Alte zornerfüllt zum Alten: „Und was haben wir von ihm? Er hat lang genug gelebt! Jetzt ist’s genug! Während sie das sagt, nimmt sie den Fressnapf des Katers und geht auf den Alten zu.
Der Alte erhebt sich, zieht die Stiefel an. Auf der Brust trägt er seine Ordensspangen.
Auf den Stock gestützt geht er in den Hof, nimmt einen Sack, legt einen Stein hinein, eine Schnur, und wirft ihn über die Schulter. Nimmt den Kater wie einen Menschen bei der Vorderpfote und sagt: „Verzeih mir Bruder!“ Der Kater fragt verschreckt:“ Was hast Du, Großvater?“ Der senkt nur den Kopf und führt ihn zum Tor.
Dazu Walzerklänge in Moll.
Im Hof herrscht allgemeine Verwirrung. Die Kamera zeigt den Hühnerstall von innen. Eine Henne schreit: „He, Weiber, sie führen den Kater ab!“ Die Hennen gackern erschreckt, stürzen zu den Schlitzen in der Stallwand.
Durch einen Wandschlitze sieht man den Kopf des Katers, den Rücken des Alten, der den Kater Richtung Tor führt.
Die Hennen bekreuzigen sich. Der Hahn verkündet mit gedrückter Stimme: „So leben wir also, mein Gott – den einen erwartet die Suppe, den anderen der Sumpf.“
Der Hahn streckt sich aus dem Fenster hinaus und macht ein feierliches Kreuzzeichen in Richtung des Katers. Der Kater wird durch den Hof geführt, vorbei an den Gänsen, den Enten, den Ferkeln, den Truthähnen und den Küken, die sich zu beiden Seiten des Wegs postiert haben. Durch die offenen Stalltüren sieht man erschreckte Blicke der Schafe, der Kuh und der Ziege. Die Tiere raunen einander zu: “Sie führen den Kater ab! Sie führen den Kater ab!“ … Sie führen den Kater ab!“
Durch das Spalier der Tiere versucht sich weinend die kleine Maus hindurchzudrängen. Sie trägt noch immer jenes Stück Speck, das sie dem Alten vom Tisch gestohlen hat, und schreit, den Hals weit vorgestreckt: „Wasja! Wasja!“ Aber die neugierigen Zaungäste stehen dicht gedrängt, die Maus läuft an den Reihen entlang und versucht immer wieder sich hindurchzudrängen –vergebens.
Dann wirft sie, so wie Veronika in dem Film „Wenn die Kraniche ziehen“ ungeschickt mit ihrer kurzen Pfote das Stück Speck dem Kater direkt vor die Füße.
Aber weder der Alte noch der Kater bemerken mit ihren gesenkten Köpfen die Speckschwarte vor ihren Füßen. Der Großvater tritt sie mit seinem Stiefel in den Boden.
Der Alte und der Kater gehen aus dem Tor hinaus. Man erkennt, dass das Haus am Waldrand steht.
Ein Feldweg führt in den Herbstwald, der Kater bleibt stehen, schaut ein letztes Mal zurück. Aus der Sicht des Katers sehen wir das Haus mit dem leicht schiefen Zaun, den Traktor „Belarus“, den Brunnen mit Schwengel.
Der Großvater zerrt den Kater an der Pfote vorwärts. Zu Walzermusik betreten sie den Wald.
Im Wald.
Der Wald öffnet sich je tiefer sie kommen, einem Tunnel von Bäumen ähnlich. Bunte Blätter fallen.
Der Kater schließt die Augen.
Plötzlich verwandelt sich der Wald. Wir sehen den gleichen Weg, aber im Mai. Frisches Grün, Blumen, Schmetterlinge,Vogelgezwitscher. Der Walzer wechselt von Moll zu Dur.
Der Kater wird noch immer an der Pfote geführt. Aber er ist noch klein und nur die Maserung und die Farbe seines Fells lassen erkennen, dass es unser Kater ist. Staunend betrachtet er die unbekannte Welt, die sich da vor ihm auftut.
Totale:
Es ist sein Vater, ein erwachsener, starker Kater, der ihn an der Pfote durch den Wald führt. Neben ihm laufen noch andere Katzenkinder durch das Gras, seine Geschwister. Alle springen, spielen und kullern ausgelassen, fröhlich und sorglos durch die Gegend. In den Büschen raschelt irgendein Getier .
Der Vater sagt: „Das ist unser Wald. Vögel gibt’s hier wie Hühner im Hühnerstall. Aber, Jungens, ohne mich, keinen Schritt hierher. Hier gibt es nämlich auch Eulen und Wölfe.
Der Walzer wechselt wieder von Dur zu Moll.
Von der Seite sieht man, wie der Alte den Kater durch den Wald führt, der mit geschlossenen Augen vor sich hin lächelt. Tiefer im Wald laufen Hasen und Eichhörnchen neben dem Weg her. Erschreckt und voller Mitgefühl beobachten sie den Kater, zeigen mit den Pfoten auf ihn, seufzen, laufen voraus, warten und überholen die beiden aufs Neue.
Man sieht nur die Beine der beiden. Die Stiefel glucksen auf dem Waldboden. Der Stock des Alten hebt und senkt sich. Neben ihm trippeln die kleinen Pfoten des Katers, die sich vor Kälte krümmen. Es fällt ihm schwer, mit dem Alten Schritt zu halten.
Totale:
Beide springen über einen Graben.
In dem Augenblick, in dem sie springen, sehen wir den Wald wieder aus der Sicht des Großvaters. Die Kamera schwenkt seitwärts, und wir erkennen die Überreste einer Art Abdeckung: das ist kein gewöhnlicher Graben. es sind Überreste eines alten Schützengrabens.
Totale:
Der Alte kneift die Augen zusammen, der Wald wird wieder lebendig. Wieder ist es Mai. Die Melodie wechselt erneut von Moll zu Dur.
Derselbe junge Soldat, in dem man wieder den Alten erkennt, geht , jetzt schon mit einer Medaille auf der Brust, denselben Weg entlang und führt einen gefesselten deutschen Kriegsgefangenen vor sich her. Es ist der Ordonnanzsoldat.
Großaufnahme –der russische und deutsche Soldat. Der Deutsche, fast noch ein Junge, jünger noch als der russische Soldat: Stupsnase, Sommersprossen, Brille. Seine Felduniform ist ihm eindeutig zu groß und hängt wie ein Sack an ihm herunter. In seinen Augen flackert Angst.
Der Soldat lächelt, atmet die frische Frühlingsluft ganz tief ein und schaut um sich.
Kamera zeigt den Wald. Tiere laufen paarweise an uns vorbei: Hirsche, Wildschweine, Schmetterlinge, die paarweise vorbeifliegen, Eichhörnchen, die von Tanne zu Tanne springen. Ein wahrer Sturm von Frühlingsfarben und Frühlingsblumen. In allem spürt man das Frühlingserwachen und die Zeit der Liebe.
Der Soldat bleibt stehen, steckt sich eine Zigarette an und dreht den Deutschen zu sich herum: „Wie heißt Du eigentlich?“ Der Deutsche erschrocken: „Heinrich.“. Der Soldat schaut aufmerksam nach allen Seiten, hebt das Maschinengewehr.
Großaufnahme:
Auf dem Gesicht des Deutschen - Entsetzen. Auf seine Soldatenmütze setzen sich zwei Schmetterlinge, kokettieren 2 Minuten lang miteinander. Über das Gesicht des Deutschen legt sich ein Schatten. Es ist der Schattendes russischen Soldaten, der auf ihn zukommt, die Schmetterlinge fliegen sofort davon. Der Deutsche bemerkt vor lauter Angst nichts davon.
Totale:
Waldweg. Der Soldat schießt in die Luft und stößt den Deutschen in den Wald: „Lauf Heinrich! Lauf!“
Der Deutsche rennt los, ein Reh läuft ihm quer über den Weg. Sie stoßen im Sprung zusammen und stieben erschrocken in unterschiedliche Richtungen auseinander und verschwinden im Dickicht des Unterholzes.
Der Soldat tritt auf die Lichtung. Man sieht den Unterstand. Es ist der gleiche wie auf dem Foto in der Stube des Jägers. Wir sind wieder im Herbstwald. Der Walzer wechselt wieder von Dur zu Moll. Der Unterstand ist eingestürzt, hat sich gesenkt, ist aber, obwohl voller Wasser, immer noch zu erkennen.
Der Alte und der Kater treten auf die Lichtung mit dem Unterstand. Dahinter sieht man die tiefe Stelle eines kleinen Flusses.
Kamera schwenkt: auf diese tiefe Kuhle.
Der Alte lässt die Pfote los, legt den Sack auf den Boden, nimmt die Schnur heraus. Schaut sie an.
Der Kater steht auf seinen Hinterpfoten, die Vorderpfote hat er erhoben, die Augen sind zugekniffen. Er hat Angst sie aufzumachen. Der Alte zündet sich eine an, setzt sich auf einen Baumstamm, stupst den Kater in den Rücken. Der Kater öffnet die Augen, sieht die Schnur und den Sack, schaut den Großvater an. Der lächelt: „Lauf, Wasjka, lauf!“
Der Kater stürzt davon, ein Hase kommt ihm in die Quere. Sie stoßen mitten im Sprung zusammen, stieben erschreckt in verschiedene Richtungen davon und verschwinden im Unterholz. Alles genauso wie in der Szene mit dem Deutschen.
Nachdem sie einen Kreis geschlagen haben, stoßen Kater und Hase mitten im Wald wieder zusammen. Sie fallen hin, keuchen, langsam kommen sie wieder zu sich. Ihr Atem wird allmählich wieder regelmäßig. Der Hase sagt mutig: „Wie heißt Du eigentlich?“ Der Kater erschrocken: „Wassilij“. Sie schauen einander forschend an, beruhigen sich und fangen an zu lachen.
Kater: „Hast Du was zu beißen?“ Der Hase: „Magst Du ein bisschen Rinde?“ Der Kater faltet seine Pfoten auf den Knien zusammen und sagt leise aber mit Würde: „Das habe ich nicht gelernt.“ Und fügt hoffnungsvoll dazu „Und Wurst hast Du keine?“
Hase: „Wo denkst Du hin? Absolutes Dickicht! Wir sind hier mitten im Wald und beten noch das Rad an.“ Der Kater seufzt. Seufzt noch einmal und noch einmal und noch einmal, holt tief Luft, und schnuppert schon im Gehen, so wie in der Szene mit dem Spähtrupp.
Kater und Hase laufen gemeinsam den bekannten Waldweg entlang, wittern ein Lagerfeuer. An der gleichen Stelle wie einst die Späher schauen sie aus den Büschen auf die Lichtung.
Auf der Lichtung, auf der einst die Deutschen gelagert haben, lagern jetzt Jäger. Ein Zelt ist aufgeschlagen. Ein Dickwanst grillt Würstchen.
Unweit von ihnen schläft ein Jäger im Gras. Seine Jacke ist aufgeknöpft, den Gürtel hat er abgelegt, neben seinem Kopf im Gras eine leere Flasche, daneben eine Jagdtasche.
Die Kamera zieht auf (Großaufnahme):
aus der Tasche schauen ein Würstchen, eine Möhre und Krautblätter heraus.
Kater und Hase schauen sich an. Der Kater legt die Öhrchen an, der Hase lässt seine Ohren hängen, beide setzen zum Sprung an.
Nächstes Bild:
Kater und Hase rasen Hals über Kopf durch den Wald, bahnen sich den Weg durchs dichte Unterholz. Die riesige Tasche tragen sie gleich einem gefesselten Gefangenen hoch über ihren Köpfen. Hinter ihnen Geschrei, Schüsse. Kugeln streifen die Zweige über ihren Köpfen. (In dieser Episode wiederholen sich genau alle Einstellungen, alle Lichtstimmungen, Schatten etc. wie in der Spähtrupp-Szene - nur in herbstlichen Farben).
Sie laufen auf die Lichtung mit dem Unterstand. Der Hase ist außer Puste, aber munter. Der Kater halbtot und atmet schwer. Hase: „Ha, denen hätten wir’s gezeigt! “Der Kater, nachdem er wieder bei Atem ist: „Und ob!“ Sie kippen den Inhalt der Tasche aus. Der Hase nimmt die Möhre, und sagt, den Schreck noch in den Knochen zum Kater: „Dabei hätten sie uns das Fell über die Ohren ziehen können!“
Kater, ganz auf die Wurst fixiert: schnuppert, beißt vorsichtig ein Stückchen ab, schluckt, blinzelt selig mit den Augen und antwortet: „Locker!“
Nächste Einstellung:
Nacht im Haus des Jägers, ein Gewitter, Regen.
Der Alte wälzt sich hin und her.
Er träumt: in dem dunklen Unterstand ist der Kater mitten im heftigen Sturm von bösen Schatten umringt.
Nach einem heftigen Donnerschlag erwacht er, steht auf, geht zum Fenster und schaut in den dunklen Nachtwald hinaus. Nimmt das Kuvert mit der deutschen Aufschrift vom Tisch. Nimmt ein Foto aus dem Kuvert, betrachtet es.
Großaufnahme:
Auf dem Foto ein älterer Mann, jener inzwischen gealterte, freigelassene Ordonnanzsoldat. An seiner Hand ein kleines Mädchen. In ihrer Hand ist deutlich ein Plüschkater zu erkennen.
Totale:
Der Alte dreht sich zu den Ikonen, bekreuzigt sich, schaut auf den leeren Schlafplatz des Katers.
Nächstes Bild:
Der Alte mit Regenmantel und Stiefeln. Geht mit einer Taschenlampe in der Hand durch den Regen Richtung Wald.
Mit seinen Augen sehen wir den jetzt von Blitzen erhellten Weg. Dieses Mal sieht er bedrohlich aus.
Endlich öffnet sich die Lichtung mit dem Unterstand. Aus den Büschen springt in hohem Bogen etwas mit zwei leuchtenden Augen auf ihn zu.
Der Alte macht die Lampe an. Es war nur der Hase, der ihn angesprungen hat. Er zittert, läuft aber im Schein der Lampe nicht davon.
Der Alte nimmt das Gewehr ab und geht auf ihn zu. Der Hase springt zur Seite, bedeckt vor Schreck den Kopf mit den Pfoten und erstarrt. Der Alte nickt dem Hasen zu: „Von wem willst Du mich ablenken?“
Großaufnahme:
Der Hase reisst Pfoten auseinander und schreit: „So schieß doch schon! So schieß doch, du Dreckskerl!“
Waldlichtung, in der Totalen:
Der Alte leuchtet mit seiner Lampe in Richtung Unterstand. Dort liegt, auf einem trockenen Plätzchen unter dem Schutzdach, die Jagdtasche im Lichtkegel der Lampe.
Aus der Tasche lugt erschrocken der Kater hervor.
Totale:
Der Kater springt dem Alten freudig auf die Brust: „Wo warst Du nur so lange Väterchen?“ Zum Hasen, der vorsichtig hinter dem Unterstand hervorlugt: „So hör doch, das sind doch die Unsrigen! Verstehst du! Die Unsrigen! Endlich!“ (Sieht man die Freude des Katers, dann bleibt kein Zweifel daran, dass er die ganze Zeit auf den Alten gewartet und die Hoffnung nicht aufgegeben hat, auch wenn der es war, der ihn hierher gebracht hat).
Der Alte hört nicht auf, den Kater zu streicheln in einem fort und sagt nur: „Verzeih mir, Brüderchen!“
Hühnerstall von innen:
Durch das Fenster fällt die Morgendämmerung. Das Gewitter ist verstummt. Alles schläft.
Die Tür des Hühnerstalls öffnet sich, der Alte stellt die Lampe an ihren Platz. Aus seinem Wams lugt der Kater hervor.
Der Hahn auf der Stange öffnet verschlafen ein Auge, sieht den Kater. Schüttelt sich verwundert und freudig: „Wasjka, du lebst!?“
Hahn, zu den Hühnern gewandt, belehrend in den Stall hinein: „Was doch das lebenspendende Kreuz nicht alles vermag!“ Schläft wieder ein.
Sonniger Morgen des nächsten Tages.
Halblaute Radiomusik, alte Schlager, auch solche aus der Kriegszeit.
Totale:
Am Tisch der Großvater, neben ihm der Kater. Die Großmutter kommt mit einem Krug Milch herein.
Sie bemerkt den Kater, schaut böse auf den Alten, geht auf ihn zu.
Der Kater schmiegt sich an den Alten. Musik wird lauter, es ist ein schmissiges Lied, gesungen von Leonid Utjesov. Man hört die Worte: „Wir haben Brest erobert, sind durch die Stadt marschiert, bis zu der letzten Gass’ und lasen auf’nem Schild, dass …“
Großaufnahme:
Der Großvater streicht sich den Bart. Er erhebt sich zu voller Statur, hinter ihm der Kater, den er verdeckt. Furchtlos schaut er seine Alte an, auf seiner Brust funkelt mit einem Mal ganz deutlich sichtbar die Medaille.
Die Großmutter schaut auf die Medaille, man erkennt die Aufschrift„Für die Tapferkeit vor dem Feind!“ Sie sieht den Kater, der hinter dem Großvater hervorschielt. Der lächelt mit einem Mal sehr verschmitzt und umarmt seine Alte.
Sie presst erst die Lippen zusammen, dann lächelt auch sie. Beide müssen lachen.
Die Alte geht zur Seite. Das Lied wird leiser. Sie holt den Fressnapf des Katers vom Regal, stellt ihn wieder an seinen alten Platz, gießt Milch hinein.
Kamera zieht auf.
Die Milch bedeckt gerade mal den Boden des Napfs. Das Lied wird wieder lauter. Die Alte beugt sich ein zweites Mal, jetzt gießt sie den Napf voll.
Der Kater schaut auf die lachenden Alten.
Zwischen ihren beiden Köpfen, ein Ausschnitt der Wand mit den Fotos.
Kamera zieht auf.
Wieder das Foto mit der jungen Krankenschwester und dem Soldaten.
Kamera fährt zurück:
Kameraschwenk auf das Fenster.
Durch das Fenster, sieht man die Bank am Tor. Dort sitzen die beiden Alten und halten sich bei den Händen.
Kamera schwenkt etwas zur Seite und dann ei nach unten,
Bank neben dem Tor. Auf der Bank hüpft ein Spatz.
Er wird immer größer, kleine Details werden erkennbar. Plötzlich wird er unruhig und schaut direkt auf uns in die Kamera.
Kamera fährt zurück - wieder ins Innere des Hauses.
Es wird klar, dass wir mit den Augen des Katers auf den Spatz geschaut haben. Faul liegt er auf dem Fensterbrett, den Kopf bequem auf der Pfote. Der Schwanz hängt herunter und baumelt, so als würde ein Kind auf der Fensterbank sitzen und mit den Beinchen baumeln.
Geraschel, die Maus läuft vorbei, stößt gegen seine Pfote und begreift, dass es der Kater ist. Quiekt vor Entsetzen und hält sich mit den Pfötchen die Augen zu.
Kater: „Wie heißt du eigentlich?“ Maus: „Mascha.“
Der Kater schaut durchs Fenster auf die beiden redenden Alten. Und sagt, ohne die Maus anzusehen: „Lauf, Mascha, lauf!“
Kamera fährt zurück.
Waldrand in Totale: unter einem Busch mümmelt der Hase etwas. Für einen Augenblick sehen wir, wie er uns zuwinkt.
Kamera fährt höher, immer weiter und schneller nach oben:
Der Hof des Jägers von oben,
die beiden Alten auf der Bank haben sich schon in Punkte verwandelt. Der Maßstab wird immer kleiner, Felder, Wald und Fluss werden immer kleiner.
Zum typischen Klicken der Kamera verwandelt sich das Bild in ein sehr unscharfes, grobkörniges Foto. Mit jedem Klicken der Kamera verkleinert es sich immer mehr. Wir erkennen die Aufnahme aus einer Raumfähre (Hier ist wichtig, ein Bild zu zeigen, das den tatsächlichen Weltall-Aufnahmen des Smolensker Gebietes entspricht).
Titel:
„Ende“
Valerij Shyrjaev
Geschrieben in der Nacht vom 22. Juni 2003,
am 62. Jahrestag des Überfalls der Deutschen auf die Sowjetunion
Übersetzung aus dem Russischen: Maja Speranskij